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Eine Stadt zum verlieben

Reisebericht Venedig, Italien


Dicht gedrängt stehen wir im völlig überladenen Bus nach Vendig und krallen uns an den Metallstangen über uns fest. Eigentlich eine völlig sinnlose Plagerei, denn umfallen kann hier niemand mehr. In jeder Kurve scheint der Bus zu kippen oder auseinander zu brechen, so laut sind die Knarzgeräusche. Nach einer knappen halben Stunde sind wir, zwar komplett orientierungslos aber heil froh, der Enge des Busses entflohen und am Busterminal in Venedig angekommen zu sein. Wir folgen den Menschenmassen und werden wie in einem Sog schon nach wenigen Metern über die erste Brücke mitgeschwemmt. Auf dem Zenit der runden und modernen Calatravas Brücke, zücken wir bereits zum ersten Mal die Fotoapparate. Ein beeindruckender Blick über den Canale Grande und die Ausläufer Venedigs wird uns geboten.



Wir schlendern, bei angenehmen Herbsttemperaturen von 25 Grad weiter, ohne ein genaues Ziel zu verfolgen. Den mediterranen Flair und Charme Venedigs aufsaugen, das würde unser Vorhaben wohl noch am besten beschreiben. Keine hektischen Sightseeingtouren, wie eine japanische Reisegruppe vor uns, die angespornt vom Reiseleiter durch die Gassen der Stadt peitscht, den Fotoapparat immer griffbereit um den Hals geschlungen. Wir haben extra keinen Stadtplan gekauft, nicht weil wir zu geizig sind die überteuerten Preise für eine der bunten Karten zu investieren, sondern weil wir nicht, wie so viele Touristen mit der Karte vor dem Gesicht durch die bezaubernden Gassen der Stadt laufen wollen. Je weiter man sich durch das Labyrinth aus kleinen Gassen und Brücken durcharbeitet, desto ruhiger und beschaulicher wird die Atmosphäre. Man ist nicht mehr in einem Sog aus Menschen eingeschlossen und fernab der Sehenswürdigkeiten und Designerläden, offenbart sich ein angenehmes Lebensgefühl. Frisch gewaschene Wäsche hängt über dem jadefarbenen Wasser der Kanäle, in kleinen Geschäften stehen Einheimische und halten ein Schwätzchen, während der Verkäufer den aufgeschnittenen Parmaschinken zusammenpackt. Hübsche kleine Lokale laden zum verweilen ein und der Duft von frischer Pizza strömt einem in die Nase. Auch wir lassen uns nieder, essen Pizza und trinken eine Karaffe Hauswein, der nicht nur sehr gut dazu passt, sondern auch ein zufriedenes Lächeln in unser Gesicht zaubert.


Mit der neu erworbenen Gelassenheit eines tibetanischen Mönches beim Mittagsgebet, ziehen wir in Richtung Markusplatz und reihen uns in die Schlange vor dem Markusturm ein. Wir möchten uns einen Überblick über Vendig verschaffen und wie könnte man das Besser, als vom höchsten Gebäude der Stadt, dem 98 Meter hohen Glockenturm der San Marco Kirche. Elegant befördert uns der Aufzug nach oben und wir genießen den Blick über Vendig. Wer seinen Liebsten oder seine Liebste in der Ferne anrufen möchte, kann selbst das bequem vom Internationalen Münztelefon aus, das in einer Ecke des Glockenturmes hängt und mit seiner "Call Home" Gravierung selbst E.T. glücklich gemacht hätte. Günstiger ins Ausland telefonieren, kann man zwar bestimmt über Prepaid Karten, was zumindest erklärt, warum Italiener ständig am Telefon hängen.



Um einige Eindrücke reicher und 1000 Fotos später wollen wir Vendig noch aus einer weiteren Perspektive sehen - vom Wasser. Wir lösen einen Fahrschein und nehmen eines der vielen Boottaxis. Aus diesem Blickwinkel erkennt man gut, dass ganz Vendig aus mehreren kleinen Inseln besteht, die so scheint es, nur durch die mehr als 400 Brücken zusammengehalten werden.


Ich möchte hier noch mit ein paar Vorurteilen aufräumen, Vendig muss nicht teuere sein, wer sich etwas außerhalb ein Hotel sucht, zahlt auch nicht mehr, als in irgendeiner anderen Stadt. Busse fahren dabei kostengünstig und regelmäßig alle Ortschaften in der Region an. Das gleiche gilt für Essen und Trinken, wer sich nicht gerade auf dem Markusplatz in einem der feinen Restaurants mit klassischer Musikbegleitung niederlässt, sondern sich fern ab der Touristenzentren umsieht, zahlt auch in Vendig für eine Pizza oder einen Teller Pasta nicht mehr, als beim Italiener um die Ecke. Das jadefarbene Wasser der Kanäle, die sich quer durch die Stadt schlängeln, war weder schmutzig noch hat es gestunken. Kurz und knapp, Vendig ist jederzeit eine Reise wert und konnte uns mit seinem einzigartigen Flair in seinen Bann ziehen.


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