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Mojitos zur Cohiba

Reisebericht Kuba


Kokain, Frauen oder Zigarren? Wir sind noch keine zwei Stunden in Kuba und haben diese Frage schon mehr als einmal gestellt bekommen. Vielleicht liegt das aber auch an uns, denn schließlich ist es bereits 23 Uhr. Wir, zwei übermüdetet, bleiche und schwitzende Mitteleuropäer, die sich nach dem langen Flug noch etwas die Beine vertreten wollen, flanieren über den Malecón, die breite Uferstraße Havannas und stechen, wie zwei Nichtschwimmer bei der Versammlung der Bademeister, aus der Masse heraus. Höfflich verneinen wir die nett gemeinten Anfragen und schleichen uns zurück in die Casa Particular.



Am nächsten Morgen sieht die calle industria, die Strasse in der sich unsere Unterkunft befindet, auch nicht viel einladender aus. Man muss sich erst an den Anblick, der zwar wirklich schönen, aber leider auch heruntergekommenen Häuser gewöhnen. Wir wollen heute die historische Altstadt Havannas erkunden und brechen früh zum Standrundgang auf. Der Reiseführer verrät uns alle Sehenswürdigkeiten und bei 30 Grad im Dezember, kann man diese auch bequem zu Fuß besuchen. Schon von weitem sieht man das Kapitol. Es ist von außen dem Petersdom in Rom nachempfunden und thront im Zentrum der Altstadt. Ein Labyrinth aus verwinkelten kleinen Strassen verläuft vom Kapitol aus in alle Himmelsrichtungen. In den Strassen hängt ein Duft von Zigarrenrauch, Salsamusik strömt aus den Bars und Häusern und amerikanische Oldtimer rattern lautstark durch die Strassen. Man fühlt sich, als hätte man eine Zeitreise in die Vergangenheit gemacht. Havannas Altstadt hat viel zu bieten, mit unzähligen barocken und neoklassischen Monumenten, zahlreichen Museen für jeden Gusto und vielen Cafes und Bars. Nach ein paar Mojitos legt man schnell die Hektik des Alltags ab und man taucht in die karibische Gelassenheit ein. Gegen Abend beenden wir unseren Sightseeingmarathon und lassen den leuchtend roten Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Ambos Mundos Hotels ausklingen.


Wir bleiben noch drei weitere Tage in Havanna und haben noch immer nur einen Bruchteil der faszinierenden Hauptstadt gesehen. Doch uns zieht es ans Meer. Varadero, nur etwa zweieinhalb Autostunden von Havanna entfernt, ist das unter Kubanern wenig beliebte Urlaubsdomizil vieler Pauschalreisender. Selbst unser Reiseführer rät uns davon ab. Die Gründe sprechen für sich, Varadero gilt als Hotelbettenburg, Kubaner dürfen die Halbinsel nicht ohne weiteres betreten und werden von den Touristen abgeschottet. Misstrauisch steigen wir in den Bus und lassen uns ins Zentrum von Varadero bringen. Die kostengünstigen und netten Unterkünfte bei Familien, die Casa Particulares sind auf Varadero ebenfalls verboten, wahrscheinlich um die Auslastung der Hotels zu garantieren. Doch wir finden gleich am Busbahnhof ein paar Einheimische, die uns hilfsbereit zu einer illegalen Casa bringen. 20 CUC für das Zimmer ist ein fairer Preis und wir stellen schnell unsere Rucksäcke ab, um an den Stand zu gehen. Das Wasser glitzert in himmlischen Blau- und Türkistönen und wir graben unsere Füße in den feinen weißen Sand ein. Keine Spur von Massentourismus, Hotelburgen und Liegestühlen. Ganz im Gegenteil, ein fast menschenleerer Strand, ohne Liegstühle und Sonnenschirme, ohne grölende, betrunkene, krebsrote Touristen offenbart sich uns. Ein paar einheimisch Kinder spielen neben uns im Sand, Reggae schallt aus der Strandbar hinter uns und wir machen es uns, mit ein paar Mojitos, im Schatten bequem. Das Leben kann so angenehm sein.



Gegen Abend gehen wir zurück in die Casa, wo unsere Hausmutter bereits mit dem Abendessen auf uns wartet. Languste und Hummer, dazu Reis mit roten Bohnen, frittierte Bananen und Salat. Ein Tablett für mindestens vier Personen, mit gefühlten 10 Kilo Schalentieren, steht vor uns und wir fragen uns, wann der Rest der Gäste eintrifft. Es kommt keiner mehr und so verlassen wir kugelrund und wohlgenährt unsere Casa, um einen Verdauungsspaziergang zur Calle 62 zu machen, wo allabendlich Live Musik und Tanz geboten wird. Wir rauchen dicke kubanische Cohibas, trinken Cuba Libre und lauschen bekannten Hits, wie Chan Chan und Guantanamera. Jeden Freitag gibt es noch eine Standparty, nicht weit von unserer Casa entfernt, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Es ist 24 Uhr und die Party ist in vollem Gange. Laute Clubmusik knallt aus den Boxen, Mojitos und Cuba Libre fließen in Strömen und es sind wesentlich mehr einheimische als Touristen da. Wir ziehen unsere Flip Flops aus und tanzen im weichen Sand, bis wir erschöpft den Heimweg antreten.


Varadero ist ganz anders als uns der Reiseführer und einige Kubaner in Havanna weiß machen wollten. Wir haben dort die freundlichsten Kubaner getroffen und niemand hat uns auch nur einmal auf Prostitution, Drogen oder Zigarren angesprochen. Von Massentourismus haben wir nichts mitbekommen, wir haben uns allerdings auch von Hotelanlagen fern gehalten und eine Casa Particular bevorzugt.


Doch auch der schönste Strand und das leckerste Essen werden auf Dauer eintönig und so planen wir unsere Weiterreise. Santa Clara lockt mit dem bekannten Ernesto "Che" Guevara Museum und der gesamte Flair der Stadt erinnert an die Kubanische Revolution. Im kleinen Trinidad, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, reiten wir auf Pferden zu einem abgelegenen Wasserfall in den Bergen, schlendern durch die kleinen Gassen, hören Live Musik in der Casa da Música und tanzen in einer Höhle im rave in the cave.


Kuba hat seinen Besuchern sehr viel mehr zu bieten als langweiligen Badeurlaub. Mit seinem einzigartigen Flair, seiner Gelassenheit und seiner bewegten Vergangenheit. Nicht umsonst schrieb Christoph Kolumbus schon 1492 bei der Entdeckung der Insel, folgendes in sein Tagebuch:" Die schönste Insel, die Menschenaugen jemals erblickten".


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