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Oliven, Portwein und Orangenplantagen

Reisebericht Algarve, Portugal


"Da dara di di di dahdida daaa", schrill begrüßt uns die Ryanair Fanfare zur pünktlichen Landung in Faro, Portugal. Wir flüchten vor dem kalten Winter, um ein verlängertes Wochenende an der Algarve zu genießen. Temperaturen zwischen 16 und 19 Grad Celsius im Januar, klingt wie Musik in unseren Ohren. Vor dem Flughafen wartet schon unser Mietwagen und wir pressen die Trollys in den Kofferraum. Es ist gerade mal kurz nach neun Uhr und wir können den ersten Tag noch voll auskosten.



Gemächlich gondeln wir, im noch ungewohnten Gefährt, ins Zentrum von Faro. Vor den weißen Stadtmauern der Vila Adentro, der Altstadt von Faro, werden wir von einer netten, jungen Dame angesprochen, die uns eine Bootstour verkaufen will. Wir zeigen nur bedingt Interesse und lenken das Gespräch nach einiger Zeit auf Angebote auf dem Festland. Hilfsbereit malt sie uns, auf die Rückseite ihres Flyers, eine kleine Stadtkarte von Faro, mit den besten Restaurants, inklusive den leckersten Gerichten und den Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung. Wir bedanken uns und folgen ihren Instruktionen.
Um die Igreja da Sé, die Kathedrale von Faro, leuchten die mannshohen Orangenbäumchen, mit ihren prallen Früchten und es fällt uns schwer, nicht einige von ihnen in unseren Taschen verschwinden zu lassen. Wir widerstehen der Versuchung und werden glatt dafür belohnt. Ein zehn Euro Schein liegt vor uns auf dem Boden und nachdem wir niemanden sehen, der das Geld verloren haben könnte, stecken wir es ein und besuchen eine der Kneipen, die uns die junge Dame auf den Flyer gemalt hat. Der Koch bereitet gerade den Grill vor und wir bestellen voller Vorfreude eine Flasche Hauswein. Es dauert zu lange, der Wein ist alle, die Gläser leer, nur der Fisch noch nicht gegrillt. Wir bezahlen und schlendern stattdessen durch die Innenstadt von Faro. Dort gibt es einige Klamottenläden mit attraktiven Angeboten, nur leider ist unser Handgepäck schon ziemlich ausgereizt und so halten wir uns artig zurück. Gegen Abend machen wir uns auf den Weg nach Albufeira zu unserm Hotel.


Es ist Nebensaison und die Preise für Flug und Hotel sind mehr als günstig. Auch auf den Straßen und in den Geschäften trifft man nicht viele Touristen an. Selbst das Hotel ist abgesehen von ein paar Rentnern eher spärlich besucht, was uns beim Frühstücksbuffet zu Gute kommt. Das Hotel ist direkt am Strand und vom Balkon hat man eine wunderbare Aussicht auf den Atlantik. Die Temperaturen erlauben es, dass wir selbst nachts die Balkontür geöffnet lassen können, um mit dem rauschen der Wellen einzuschlafen.



Am nächsten Tag wollen wir zum südwestlichsten Punkt des europäischen Festlands fahren, nach Sagres. Die Straßen sind gut ausgebaut und beschildert und wir haben so gut wie keine Mühe den Weg zu finden. Zwischendurch halten wir immer wieder an einigen Stränden an. Breite, flach ins Wasser abfallende Sandstrände, mit faszinierenden Felsformationen und Höhlen, scheinen nur auf uns zu warten. Wir sind abgesehen von ein paar Fischern, so gut wie alleine, was auch nicht verwundert, da es zum schwimmen noch zu kalt ist. Sogar die Sonne ist uns holt und so verweilen wir, in kurzer Hose und T-Shirt, im Sand. Erst gegen Mittag setzten wir unsere Reise fort und erreichen pünktlich zum Sonnenuntergang unser Ziel, das Fort Fortaleza de Sagres, das auf einer kilometerlangen Landzunge errichtet wurde. Die Brandung knallt tosend gegen die Klippen und die Sonne leuchtet, wie ein funkelnder, roter Ball über dem Atlantik. Ein einmaliges Panorama, das uns fast die Sprache verschlägt.


Die Nebensaison hat sicherlich seine Vorteile, allerdings bereitet es sich mitunter als schwierig, ein geöffnetes Restaurant, außerhalb der Touristenhochburgen zu finden. Seit gefühlten Stunden irren wir durch Lagos, um ein Fischrestaurant zu finden. Wir erblicken eine kleine Kneipe mit jeder Menge Portugiesen, die sich auf der Terrasse ein Fußballspiel im Fernseher anschauen. Wir setzen uns an einen Tisch und werden freundlich begutachtet. Die Wirtin kommt und begrüßt uns auf portugiesisch. Leider sprechen wir kein Wort portugiesisch und sie keine andere Sprache. Mit Gestiken versuchen wir zu umschreiben, was wir gerne hätten. Die Wirtin ihrerseits, malt auf ihren Block, was sie glaubt zu verstehen und so sind wir in der Lage, ein opulentes Mal, bestehend aus Portwein, Oliven mit Knoblauchbrot, Fisch mit Beilage und einem leckeren Flan als Nachspeise zu ordern. Was für ein Fest.


Am darauf folgenden Tag wollen wir abseits der Küstenregion ins Hinterland fahren. Die Strasse in Richtung Monchique ist mit Oliven- und Orangenplantagen gesäumt. Ein alter Mann schiebt einen globigen Schubkarren mit Orangen vor uns auf der Strasse und wir kaufen ihm, für ein paar Cent, vier seiner besten Früchte ab. Monchique ist ein verschlafenes Bergdorf mit engen Strassen. Der Nebel hängt in den Wipfeln der Bäume und wir lassen das Auto stehen, um durch die Gassen zu schlendern. An der Loja de Chocolate, einem kleinen Pralinenladen kehren wir ein, um uns mit den lokalen Köstlichkeiten einzudecken. Der Besitzer, ein netter Engländer, erzählt uns kurzer Hand sein halbes Leben und wie er in Portugal gestrandet ist. Er rät uns zudem auf den Fóia zu fahren, ein 902 Meter hoher Berg und gleichzeitig die höchste Erhebung der Algarve. "Bei schönem Wetter hat man einen wundervollen Ausblick", schwärmt er und so gehen wir dankend und mit reichlich Schoki im Mund zurück zum Auto.


Wir haben leider kein Glück. Schon beim ersten Anstieg fahren wir in dichten Nebel. Dieser hält sich hartnäckig den ganzen Anstieg und auch auf dem Zenit. Wir finden kaum den Parkplatz, so gering ist die Sicht. Selbst die Haare sind, nach einigen Minuten im Nebel, schon völlig durchnässt. Es hat keinen Sinn, wir haben unseren kleinen Flitzer umsonst hier hochgejagt. Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg. Wir wollen noch mal nach Faro und entdecken auf dem Weg ins Zentrum die Forum Algarve. Ein Outlet Shopping-Center mit vielen bekannten und auch weniger bekannten Läden. Bei schlechtem Wetter oder am Abend (geöffnet bis 24 Uhr, an sieben Tagen der Woche), kann man hier problemlos seine Zeit totschlagen. Wir bereuen nur Handgepäck mitgenommen zu haben und überlegen, wie viel Kleider wir am Körper tragen können, ohne die schmalen Flugzeugsitze zu sprengen.


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