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Taranteln zum Frühstück

Reisebericht Kambodscha


Der Grenzübergang zwischen Vietnam und Kambodscha versteckt sich unscheinbar am Ufer des Mekongs. Über schmale, wackelige Blanken klettern wir an Land. In einer kleinen Hütte, nicht viel größer als ein Gartenhäuschen, werden unsere Pässe genauestens geprüft und schließlich gestempelt. Während unsere Dschunke aus dem vietnamesischen Chau Doc bereits den Heimathafen ansteuert, werden wir in ein morbides Speed Boot verladen. Letzteres liegt tief im Wasser. Nur ein paar Zentimeter trennen die Fenster vom braunen Mekong. Die Motoren heulen auf, der spitze Bug erhebt sich aus dem Wasser und kräftiger Fahrwind zerstört jede noch so solide drei Wetter Taft Frisur. Wir sind auf dem Weg nach Phnom Penh.



Phnom Penh ist nur eine Zwischenstation auf unserer Reise nach Siem Reap. Wir sind mehr an der größten Tempelanlage Kambodschas interessiert, als an einer weiteren indochinesischen Metropole. Wir nutzen die wenige Zeit, die uns in Phnom Penh bleibt und streifen durch die Stadt. Der Verkehr ist mindestens genauso chaotisch, wie in Vietnam und macht ein zügiges vorankommen mitunter schwierig. Die adrette Uferpromenade mit ihren Bars und Restaurants lädt zum Verweilen ein und so stärken wir uns mit lokalen Köstlichkeiten. Die Khmer Küche ist wirklich hervorragend und in unseren Augen eine der Besten Südostasiens. Amok, das Nationalgericht, ist ein Angriff auf die Geschmacksnerven. Fisch in einer sämigen Sauce aus Curry und Kokosmilch, dazu ein Hauch von Zitronengras, Limone, Koriander, Minze und thailändischem Basilikum. Serviert wird es in einer Kokosnuss oder in quadratischen Schalen aus Palmenblättern.

Am nächsten Morgen brechen wir schon früh auf. Der VIP Shuttel, bestehend aus einem Sprinter mit mehreren Sitzplätzen, verspricht ein zügiges herunterbrettern der ca. 400 Kilometer. Im Hinterland erkennt man, dass Kambodscha noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Die Fahrbahn des National Highway 6 besteht zum Teil nur aus roter Erde. Einfache Bretterverschläge auf Stelzen prägen das Bild am Straßenrand. Trotz allem sind die Menschen freundlich und zurückhaltend.


Der "Wohlstand" von Siem Reap hingegen ist schon von Ferne zu erkennen. Häuser im französischen Kolonialstil bilden das Stadtzentrum, daneben Luxushotels, Bars und Resorts. Siem Reap ist Ausgangspunkt für den Besuch der Tempel von Angkor und somit ein aufstrebendes Touristenzentrum mit internationalem Flughafen. Doch wie bei fast jedem UNESCO Weltkulturerbe ist auch hier Fluch und Segen eng vereint. 2,4 Millionen Besucher klettern pro Jahr auf den maroden Tempelanlagen umher. Der Grundwasserspiegel verringert sich, was die Türme von Angkor zum Einsinken bringt. Zudem hat das größte religiöse Bauwerk der Welt mit gutorganisierte Banden von Kunsträubern zu kämpfen, die die Khmer Kunst außer Landes schmuggeln.
Wir hoffen, dass ein Teil unserer 40,- US Dollar für ein Dreitages-Ticket, zur Behebung dieser Probleme beiträgt und können es kaum noch erwarten, mit unseren Fahrrädern endlich zu den Tempelanlagen zu radeln. Die komplette Anlage bedeckt eine Fläche von 210 Hektar, zum Vergleich, ein Fußballfeld hat ungefähr einen Hektar. Daher beschließen wir für morgen ein Tuk Tuk zu reservieren und uns in der Zwischenzeit den bekanntesten Tempel Angkor Wat anzuschauen.



Natürlich ist man in Angkor Wat nie ganz alleine. Fotos ohne Touristen zu schießen ist eine echte Kunst. Durch die Weitläufigkeit der Anlage und da man sich frei bewegen kann, ist es aber durchaus machbar. Angkor Wat ist das bekannteste Symbol für die Kultur der Khmer und eine Meisterleistung der frühen Baukunst. Aufwendige Verzierungen schmücken die Fassaden von innen und außen. Es ist unbeschreiblich mit welcher Hingabe die Skulpturen und Reliefs in den Sandstein gemeißelt wurden. Ungläubig erforschen wir jeden Winkel der riesigen Anlage. Auf schmalen Steintreppen klettern wir, auf allen vieren, in das Herzstück, den zentralen Turm. Dieser streckt sich 60 Meter in die Höhe und bietet einen fantastischen Ausblick. Lange stehen wir da und blicken über die Ebene von Angkor, genießen den Sonnenuntergang und fragen uns, wie so etwas nur durch Menschenhand erschaffen werden konnte.


Am nächsten Tag starten wir erneut früh zur großen Tempeltour. Mit riesigen Wasserflaschen im Gepäck manövriert uns Arun, unser freundlicher Tuk Tuk Fahrer, sicher durch die weitläufige Anlage. Zum Teil sind die einzelnen Tempel mehrere Kilometer voneinander entfernt. Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir ihn nach jeder Besichtigung am anderen Ende des Tempels wieder antreffen. Angkor Thom und der Bayon Tempel faszinieren durch die meterhohen, in Steintürme gemeißelten Gesichter. Ta Prohm hingegen, durch sein von gigantischen Bäumen durchwachsenes Mauerwerk. Jeder Tempel ist ein Unikat. Viele stammen aus verschiedenen Jahrhunderten, mit anderen Stilen, für verschiedene Könige. Wir sind fasziniert und sprachlos zugleich Etwas wie Angkor kann man nicht in Worte fassen, man muss es gesehen, erlebt und gespürt haben. Unsere Füße sind wund und dreckig. Die rote Erde klebt an unseren Körpern wie eine zweite Haut. Auf den Stufen des Phnom Bakheng Tempels lassen wir uns nieder. Er ist auf einem Hügel errichtet und man kann von hier über die gesamte Region blicken. Die Sonne hängt tief über den Reisfeldern, in ein paar Minuten wird es stock dunkel sein. Zeit für uns aufzubrechen. Morgen früh, wenn sich die Sonne über die spitzen Türme von Angkor Wat kämpft, sind wir zurück, um einen weiteren Tag die mystische Tempelanlage im tropischer Dschungel zu erforschen.


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