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Gigantische Seerosen und farbige Erde

Reisebericht Mauritius


Im Botanischen Garten von Pamplemousses wachsen gigantische Seerosen aus dem Amazonas.
Die bis zu drei Meter großen Blätter tragen selbst Kleinkinder mühelos. Sogar das Cover des Reiseführers ziert ein Bild der leuchtenden Wasserpflanzen, neben schneeweißen Sandstränden und hinduistischen Gottheiten. Ich leihe mir den Reiseführer von dem netten, älteren Herrn im beigen Wanderoutfit, der gerade dabei ist, seinen Kopfhörersalat mit dem On Board Entertainment zu verbinden. Zehn Stunden sollten für die Reisevorbereitungen ausreichen. Wir haben spontan einen Flug nach Mauritius gebucht, der so günstig ist, dass selbst der geizigste Schotte feucht unterm Rock wird. Ich schmökere durch die Seiten und mache emsig Notizen. Mauritius wirkt kontrastreich und bunt. Schroffe Felsformationen im Landesinneren konkurrieren mit flachen Küstenregionen, Luxushotels mit einfachen Apartments und schwarze Vulkansteine mit weißen Sandstränden, die greller leuchten als die gebleachten Zähne von amerikanischen Society Ladies. Ich lehne mich zurück, schütte die Reste des bitteren Gin Tonics in mich hinein und fantasiere von einsamen Stränden und schicken Bambushütten.



Um fünf Uhr in der Früh setzt der Flieger nüchtern zur Landung an. Verschlafen schleppen wir uns durch die Passkontrolle und hinaus in den finsteren Morgen. Am Horizont blitzen die ersten hellen Strahlen durch die Dunkelheit und versprechen einen sonnigen Tag. Aus der Bambushütte wird ein geräumiges Apartment im Norden der Insel, das mit Alarmanlage und massivem Zaun gesichert ist. Home sweet home, wir sind die einzigen Gäste. Bevor wir uns wohnlich einrichten, traben wir zum Strandnickerchen, an die kristallklare Bucht von Mont Choisy. Noch immer haben wir das monotone Surren der Triebwerke im Ohr, dass ich mit dem iPod zu übertönen versuche. Im Schatten der Filaobäume, lassen wir uns im feinen Sand nieder und strecken alle Viere von uns.
Erst als mein iPod von lässigem Reggae auf dumpfe Elektromusik wechselt, schrecke ich auf. Müde reibe ich mir die Augen und springe ins warme Wasser. Mauritius hat ca. 200 Kilometer Küste, von denen 160 aus langgezogenen Stränden und kleinen Buchten bestehen. Um diese legt sich ein schützendes Korallenriff, das wie ein Heiligenschein, die Lagunen vor gefährlichen Raubfischen und rauem Wellengang abschirmt.


Mont Choisy ist ein verträumtes Dörfchen. In der Nebensaison trifft man hier kaum Touristen. Nur ein paar Honeymooner schlendern verliebt am Strand entlang um ihrer Hotelanlage kurzfristig zu entfliehen. Auch wir wollen unseren Radius erweitern und nehmen den nächsten Bus in die Hauptstadt Port Louis. In Mauritius führen alle Wege nicht nach Rom, aber über Port Louis. Bekannt für seine Blaue Mauritius, lässt die überschaubare Stadt am Westufer der Insel, das Herz eines jeden Briefmarkensammlers in unermessliche Höhen schlagen. Beim Streifzug durch die Innenstadt probieren wir die verschiedensten lokalen Köstlichkeiten. Maniok Kuchen, eine rechteckig gepresste, gummiartige Masse mit Kokosraspeln. Relativ geschmacksneutral, dafür sättigend wie ein Wiener Schnitzel aus dem XXL Restaurant. Kleine Tütchen mit säuerlichen Chinesischen Guaven, die mit braunem Zucker bestreut werden, pink geröstete Erdnüsse und Pfannenkuchen mit scharfer, roter Chilisoße. Letzteres färbt meine Gesichtsfarbe auf ein gesundes Dunkelrot und zaubert mir Schweißperlen auf die Stirn. Nach dem zweiten Bissen bekomme ich Schluckauf. Röhrend posaune ich durch die kolonialen Gassen von Port Louis bis zur Zitadelle. Das Fort thront über der Stadt und bietet neben massiven Befestigungsmauern und einigen Kanonen auch einen herrlichen Blick. Bei dieser Aussicht ist sogar mein Schluckauf sprachlos.


Die nächsten Tage mieten wir einen winzigen Chevy Spark. Mit gerade mal 3,5 Metern Länge ein optimales Insel und Stadtauto. Um sicher durch den Linksverkehr zu navigieren, braucht man hier eigentlich nur zwei Dinge, das Gaspedal und die Hupe. Vor jedem Kreisverkehr einmal kräftig hupen und dann Gas geben. Routiniert steuern wir die Sehenswürdigkeiten der Insel an. Der botanische Garten von Pamplemousses, der neben den mächtigen Seerosen auch Mammutbäume und Riesenschildkröten beherbergt, ist eines der Highlights. Etwas Zeit sollte man dafür schon einplanen, denn mit 37 Hektar ist der Park wesentlich geräumiger als unser Mietwagen. Auf dem Weg um die Insel halten wir an traumhaften, oft menschenleeren Buchten. Das Landesinnere ist mitunter etwas monoton. Riesige Zuckerrohrfelder bieten den immer gleichen grünen Anblick.



Ein weiteres Wahrzeichen der Insel sind die Terres des Sept Couleurs, die Siebenfarbige Erde. Ein Naturphänomen das aussieht, als hätte jemand einen Eimer mit mediterranen Rottönen versehentlich umgekippt. Tatsächlich haben die Färbungen vulkanischen Ursprung. Die Umwandlung von Basaltlava in Tonminerale unter tropischen Verwitterungsbedingungen formte dieses Farbschauspiel. Gleich nebenan stürzt der Chamarel-Wasserfall über eine Felskante knapp 100 Meter in die Tiefe. Wer nicht genug von Wasserfällen bekommen kann, sollte den Tamarind-Falls und den Rochester Falls einen Besuch abstatten. Beide sind gut versteckt über kleine Trampelpfade zu erreichen und längst nicht so überlaufen.
Auch wenn man es aufgrund der Nähe zum afrikanischen Kontinent kaum glauben mag, so stammen zwei Drittel der Bevölkerung vom indischen Subkontinent. Dies manifestiert sich in farbenfrohen Saris und hinduistischen Denkmälern. Zum Ganga Talao, dem heiligen See des Ganges, pilgern Hindus aus ganz Mauritius barfuß von ihren Häusern aus. Unter der Woche herrscht hier idyllische Ruhe. Die zahllosen Statuen, darunter ein über 32 Meter hohes Abbild des Gottes Shiva, lassen sich so am besten besichtigen.


Mauritius ist abwechslungsreich. Kontrastreiche Natur, bunte Farben und eine multikulturelle, harmonische Bevölkerung. Europa zeigte schon früh Interesse an der tropischen Insel im Indischen Ozean. Die Portugiesen nutzten sie als Stützpunkt, die Niederländer nahmen sie in ihren Besitz, die Franzosen eroberten Mauritius und nannten sie Île de France, die Engländer besetzten sie und benannten sie wieder Mauritius. Noch heute sind die verschiedenen Einflüsse der Europäer besonders in den kolonialen Bauten der Städte zu erkennen. Selbst Mark Twain war von Mauritius so beeindruckt, dass er ein altes kreolisches Sprichwort aufgriff: "Zuerst wurde Mauritius erschaffen und aus dessen Abbild das Paradies."


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